Germany, report 1994

Im Berichtszeitraum hat der Vorstand Sitzungen am 28.2.94, am 27.6.94 und am 22.11.94 abgehalten.

Krankheitsbedingt konnte unser Schatzmeister, Herr Baer, erst ab Juni 1994 wieder daran teilnehmen. Ab September 1993 übernahm Frau Dr. von Seyfried vom Präsidenten vertretungsweise den Geschäftsbereich des Schatzmeisters bis April 1994. In der über ein Jahr dauernden Interimszeit verwaltete die Sekretärin von Herrn Baer in vorzüglicher Zusammenarbeit mit dem AIBM-Vorstand die finanziellen Belange: Frau Gabriele Streichan gilt daher unser besonderer Dank. Außer der jährlichen Kassenprüfung fiel in diese Zeit erstmals die Steuerprüfung durch das Finanzamt für Körperschaften, wofür wir einen Steuerberater eingeschaltet haben.

Nach der letzten Tagung in Erlangen konnten in den Landesmusikräten die AIBM-Vertreter neu benannt oder bestätigt werden. Dabei ist die AIBM in den Fallen nicht selbst Mitglied, wo eine Bibliothek schon Mitglied in einem Landesmusikrat ist. Hier vertreten dann die Kolleginnen und Kollegen aus den jeweiligen (Musik-)Bibliotheken die Belange der AIBM mit.

Der Präsident nahm am 27.1.94 am Festakt anlässlich des 300-jährigen Bestehens des Musikverlags Breitkopf & Härtel in Leipzig, am 26.2.94 am Zwischentreffen der Arbeitsgemeinschaft Musikhochschulbibliotheken in Würzburg und am 2.5.94 (privat) am Regionaltreffen norddeutscher Musikbibliotheken in Lübeck teil. Darüber hinaus war er im Rahmen seiner Aktivitäten in enger Zusammenarbeit mit der internationalen ISMN-Agentur zu zwei Treffen am 29.11.93 und am 25.2.94 in Berlin eingeladen und veranstaltete in Verbindung mit der ISMN-Agentur zusammen mit Alan Pope von Blackwell's Oxford zwei Informationsveranstaltungen zur Einführung der ISMN auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main am 19. und 20.3.94. Am 14. und 15.10.94 nahm er, nun als Sekretär, am ersten internationalen ISMN-Treffen der internationalen ISMN-Agentur in Berlin teil; er wurde als Mitglied des ISMN-Advisory-Board benannt.

Vom 23. bis 29. April 1994 hielt sich der Präsident auf Einladung der Bibliothek des Tschaikowski-Konservatoriums zu einem (teilweise privaten) Informationsbesuch in Moskau auf, wo er bei einem Seminar am 27.4.94 “Die Musikbibliothek heute” als einer der Hauptreferenten über das deutsche Musikbibliothekswesen berichtete. Zu dieser Veranstaltung kamen 40 Teilnehmer aus 28 Städten der ehemaligen Sowjetunion. Außer der Bibliothek des Konservatoriums besuchte er noch das Glinka-Museum mit seiner Bibliothek und die Musikabteilung der ehemaligen Lenin-Bibliothek, jetzt russische Nationalbibliothek und führte einen ausgiebigen Meinungsaustausch mit den russischen Kolleginnen und Kollegen (siehe Bericht in Forum Musikbibliothek 1994).

Vom 3. bis 6. Juli 1994 besuchte der Präsident auf Einladung der AIBM-Gruppe Polen die Nationalbibliothek in Warschau. Außer einem Treffen mit dem Vorstand der polnischen AIBM-Gruppe fand ein ausgiebiger Meinungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen der Musikabteilung der polnischen Nationalbibliothek statt, wobei er seine Erfahrungen aus der Staatsbibliothek zu Berlin bei der Lösung mancher Probleme in die dortige Diskussion mit einbringen konnte. Außerdem besuchte er die polnische RISM-Redaktion, die Bibliothek der Warschauer Musikalischen Gesellschaft, die über größere Quellenbestände zur polnischen Musik verfügt, und die Universitätsbibliothek, welche u.a. die Bestände des früheren musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Breslau betreut.

Nach beiden Besuchen erkundigte sich der Präsident beim DBI und bei der DFG sowie bei der Generaldirektion der Staatsbibliothek zu Berlin über die Möglichkeiten zu Finanzhilfen, Schriften und Personalaustausch für bzw. mit Musikbibliotheken in den ehemaligen Ostblockstaaten und er teilte das Ergebnis den betroffenen Kolleginnen und Kollegen in Moskau und Warschau mit. Die DFG hat inzwischen mitgeteilt, dass sie außer den Nationalbibliotheken dieser Länder noch mit folgenden Musikbibliotheken wegen Finanzhilfen Kontakt aufgenommen hat: Tschaikowski-Konservatorium Moskau, Musikakademie Kattowitz, Liszt-Konservatorium Budapest, Musikakademie Bukarest und die National- und Universitätsbibliotheken in Ljubljana und Zagreb.

Die Vizepräsidentin nahm an Treffen des Berliner Arbeitskreises Öffentliche Musikbibliotheken teil.

Im Berichtszeitraum korrespondierte der Präsident wegen verschiedener Anlässe mit der Direktion der Leipziger Stadtbibliotheken und den Stadt- bzw. Kulturverwaltungen der Städte Augsburg und Neumünster. In den beiden letzteren Fallen konnte eine Schließung oder Verlagerung der jeweiligen Musikbücherei zumindest für die nächste Zeit abgewendet werden. Wichtig dabei war der Aspekt, den Standort der Musikbücherei und deren Benutzbarkeit unter Anleitung von Fachpersonal zu erhalten, auch wenn die Etatsituation gegenwärtig schlecht ist. In Falle Augsburg hat sicher aber auch die ortliche Presse ihren Anteil am Weiterbestehen der dortigen Musikbücherei.

Nach Abschluss der Arbeiten der Expertenrunde für die RAK-Musik-Revision haben bis zum Ende der Einspruchsfrist des Entwurfs der RAK-Musik-Revision am 31.3.94 sich viele Kolleginnen und Kollegen dazu geäußert, so dass die Expertenrunde erst im Juni 1994 in einer weiteren Sitzung darüber beraten konnte. Anfang Dezember 1994 fand die (hoffentlich) abschließende Sitzung in München statt.

Die Umfrage für den Musikbibliotheksführer ist insgesamt recht erfolgreich gewesen, nachdem noch ein Erinnerungsschreiben verschickt worden ist. Seit März 1994 ist Frau Sommerfeld mit der Auswertung der Fragebogen beschäftigt. Wegen der knappen Etatmittel des DBI haben wir uns dafür entschlossen, mit einem eigenen finanziellen Beitrag für eine Honorarkraft zecks Dateneingabe die Herstellung des Musikbibliotheksführers zu fördern. Dadurch ist das Erscheinen des in Handbuch der Musikbibliotheken in Deutschland umbenannten Nachschlagewerks noch in diesem Jahr gesichert. Deutsche AIBM-Mitglieder sollen dann einen Rabatt auf den Verkaufspreis des DBI erhalten.

Das Interesse an der Anwendung der RSWK-Musik ist weiterhin als gering einzuschätzen. Allerdings könnte der von Klaus Schneider revidierte Thesaurus Anlass, Zweck, Inhalt hierzu ein Hilfsmittel sein, ebenso der 1977 erschienene Thesaurus der musikalischen Gattungsbegriffe von Dr. Gertraut Haberkamp und Lisbeth Thew, den es allerdings nur in vervielfältigten Exemplaren gibt und der bei einer Neuerscheinung einer Überarbeitung bedarf. Die Erlaubnis zur weiteren Verwendung dieses Thesaurus' liegt vor. Beide Thesauri sind aber genauso hilfreich für die Führung einer Schlagwortdatei, die für eine Reihe Musikbibliotheken mit einer Bestandsausstellung z.B. nach SMM, interessant sein kann. Überlegungen zu einer Überarbeitung dieses Thesaurus' der Gattungsbegriffe sind im Gange.

Neue Aktivitäten betreffend das Thema Musikalienzentralkatalog fanden außer einem Briefwechsel mit Herrn Dr. Hardeck nicht statt. Als neues Projekt wird eine Bibliographie zum Musikbibliothekswesen in Deutschland vorgeschlagen, welches wieder zusammen mit dem DBI durchgeführte werden konnte.

Eine gemeinsame Tagung mit der IASA-Ländergruppe Deutschland/Deutschschweiz ist leider auch für 1995 nicht möglich. Anfang Mai 1994 teilte der Vorstand der IASA-Gruppe mit, dass die internationale IASA-Tagung im September 1995 in Washington sein wird und zwei Tagungen im gleichen Monat nicht durchführbar waren. Unseren Termin (zweite oder dritte Septemberwoche 1995 in Karlsruhe) hatte der Präsident schon 1993 der IASA mitgeteilt. Möglicherweise kommt die schon länger geplante gemeinsame Tagung dann 1996 zustande.

Frau Dr. von Seyfried hat in bewahrter Weise den allgemeinen Schriftwechsel der AIBM geführt und die Ab- und Anmeldungen vorgenommen. Außerdem hat sie, wie in den Vorjahren auch, die Rundschreiben und Einladungen vorbereitet und verschickt. An dieser Stelle sei Frau Dr. von Seyfried, Frau Sommerfeld und Herrn Baer für die hervorragende und kollegiale Zusammenarbeit in stets bester Atmosphäre genauso gedankt wie allen Kolleginnen und Kollegen, die unsere Tagungen am jeweiligen Ort mit vorbereiteten und allen Referenten, die unsere Tagungen auch inhaltlich attraktiv gemacht haben sowie den beiden Kassenprüfern, Frau Decker und Herrn Ellermann. Letztlich gebührt aber auch unger aller Dank den Institutionen, denen die Vorstandsmitglieder angehören und die direkt oder indirekt die Arbeit der AIBM unterstützen, der Staatsbibliothek zu Berlin, der Deutschen Bibliothek, dem Deutschen Bibliotheksinstitut und dem Sender Freies Berlin.

Das wichtigste Ereignis des Jahres war die mit 119 Teilnehmern wieder gut besuchte Jahrestagung vom 21.-23.9.94 in Düsseldorf. Außer Vorträgen über die Arbeit der Robert-Schumann-Forschungsstelle Düsseldorf, über die Musiksammlung des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf und Musik zu Stummfilmen hörten wir Beiträge zu den Themen Urheberrecht bei AV-Medien in der Europäischen Gemeinschaft und zur RAK-Musik-Revision. Erstmals fanden Sitzungen der Kommission für Aus- und Fortbildung unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Krueger (Stuttgart) und der Arbeitsgruppe AV-Medien statt. Letztere wurde in eine Kommission unter der Leitung von Thomas Gerwin (Karlsruhe) und Petra Wagenknecht (Berlin) umgewandelt. In den vier Arbeitsgemeinschaften Öffentliche Musikbibliotheken (Leitung: Thomas Kalk, Düsseldorf, und Cordula Werbelow, Berlin) , Musikabteilungen in wissenschaftlichen Bibliotheken (Leitung: Dr. Joachim Jaenecke, Berlin, und Dr. Bettina von Seyfried, Berlin), Musikhochschulbibliotheken (Leitung: Dr. Andreas Odenkirchen, Frankfurt/Main, und Hannelore Bernt, Karlsruhe), und Rundfunk (Leitung: Annika Stemshorn, Köln, und Dr. Waltraut Schardig, Hamburg) wurden speziellere Themen der jeweiligen Arbeitsgemeinschaft behandelt. Als Gast hielt Elzbieta Wojnowska von der Musikabteilung der Nationalbibliothek in Warzsawa einen Vortrag über Quellensammlungen und Bibliographien in Polen.

In der Mitgliederversammlung stand die Vorstandswahl im Vordergrund. Für die nachsten drei Jahre wurden gewählte: Prasidentin Dr. Bettina von Seyfried; Vizepräsidentin: Marion Sommerfeld: Sekretär: Dr. Joachim Jaenecke; Schatzmeisterin: Petra Wagenknecht (alle Berlin). Zu neuen Kassenprüfern wurden gewählt: Ellen Roeser (Leipzig) und Heidrun Siegel (Berlin). Herr Baer hatte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Amt des Schatzmeisters kandidiert. Dr. Jaenecke und Dr. von Seyfried waren gemäß der Satzung nicht mehr in ihren bisherigen Ämtern als Präsident bzw. Sekretärin wählbar. Mit dieser Wahl kann die sehr gute Zusammenarbeit des Vorstandes in Berlin fortgesetzt werden.

Programm und alle Protokolle der Tagung sowie einige der Vortrage sind bzw. werden in der Zeitschrift Forum Musikbibliothek veröffentlicht. Im Jahresbericht 1993 hat sich hierzu in der Zeitschrift Fontes Artis Musicae 41/2 auf S. 218 ein Fehler eingeschlichen: An Stelle von (der Vorgängerzeitschrift) Musikbibliothek aktuell muss es heißen Forum Musikbibliothek.

Dr. Joachim Jaenecke
(Sekretär)